Liebeskummer in Hamburg

Was kann ich für mich tun?

Egal, wessen Entscheidung oder welche Umstände es waren, die zum Beziehungsende geführt haben: Liebeskummer tut weh. Trauer zu verarbeiten, ist eine große Herausforderung. Die einen bleiben wochenlang im Bett und weinen. Bei anderen kullern die Tränen auf der Couch der besten Freundin & des besten Freundes, beim Therapeuten, beim Joggen, im Kino oder in der U-Bahn.

Vielen Menschen ist der Kontrollverlust über das Salzwasser in den Augen unangenehm. Das muss es nicht! Trauer gehört zu den Grundemotionen des Lebens und ist das Natürlichste der Welt. Wir sollten uns für unsere Tränen nicht schämen (müssen), tun es aber häufig doch, dabei sind die Kanäle der Tränen als Ventil für unsere belastenden Erfahrungen sehr wichtig. Schließen wir die Trauer in uns ein, belastet sie uns tagtäglich unterbewusst weiter. Weinen ist also DETOXING PUR. Die Vorstellung von einer Stadt voller weinender Menschen erscheint mir trotzdem gruselig. Ich bin wohl auch noch nicht bereit, Trauer und Freude gleichwertig akzeptieren zu wollen. Wie finden wir einen geeigneten Mittelweg?

Der erste Schritt ist es, Trauer als eine von vielen Emotionen, genauso wie Freude, Wut, Angst oder Ekel anzunehmen. In Deutschland neigen wir dazu, Tränen zu verstecken. Lachen, schimpfen oder angewidert sein, fällt hingegen leichter. Angst folgen wir meist instinktiv, da sie uns, evolutionär gesehen, vor dem Tod geschützt hat, wenn Menschen sie als Alarmsignal ernst genommen haben.

Trauer benötigt Raum, damit sie verarbeitet werden kann. Das ist keine leichte Aufgabe. Wer von uns steht schon gern dazu, dass er Freitag abend zuhause bleiben möchte, um zu weinen? Nein, wir wollen Action, Spaß, neue Restaurants, Bars und krasse Stories.

Einigen Menschen mag es helfen, ihrem Kummer ganz bewusst Raum zu geben, um Tränen ein wenig kontrollieren zu können. Frontmann Marcus Wiebusch der Hamburger Band Kettcar formuliert es schlicht: „Aber irgendwie schon besser, im Taxi zu weinen, als im HVV Bus, oder nicht?“

Als Anregung habe ich euch einige Möglichkeiten zusammengestellt, die aus meiner persönlichen und professionellen Erfahrung als Psychologin funktionieren könnten:

  • 30 Minuten Herzschmerz, um alles rauszulassen und dann weiterzumachen. Auf Spotify findet ihr eine Playlist mit den traurigsten deutschen Liebesliedern. Dank Vicky Leandros werdet ihr zum Ende hoffentlich schmunzeln, auf das Karussel des Lebens erneut aufspringen und neuen Mut fassen. Vergesst nie, dass es eine aktuelle Phase ist, die vorüber geht.
  • Briefe an die vermisste Person (zum Beispiel im Tagebuch). Professionell nennt es sich: Biografisches Schreiben in Krisenzeiten. Schreibt alles auf, was ihr dem/der Verlorenen noch sagen wollt.
    • Was hat euch am meisten verletzt?
    • Was vermisst ihr?
    • Worüber seid ihr wütend?
    • Was hättet ihr euch von ihm gewünscht?

Mir wird dadurch klar, was ich tatsächlich noch einmal in einem Gespräch oder Brief loswerden möchte. Bitte schickt ihn nur nicht aus einem trotzigen Impuls heraus ab, das bereut man am Ende ja meist doch. Eine Nacht darüber schlafen, wäre mein Tipp.

Wie könnt ihr herausfinden, was ihr am besten für euch tun könnt? Um für euch eine Antwort zu finden, habe ich einige Fragen zusammengestellt:

  • Wie ist es mir in der Vergangenheit gelungen, meine Trauer zu überwinden?
  • Was tut mir gut?
  • Wo und wie finden meine Freunde Trost?
  • Woran erfreue ich mich?
  • Was habe ich als Kind/Jugendliche gern gemacht?
  • Welche Musik, Filme, Veranstaltungen, Sportarten bereiten mir Freude?
  • Was sind meine insgeheimen Wünsche, abgesehen von einer Beziehung, und wie kann ich sie mir erfüllen? Wenn ich wüsste, dass ich ein Leben lang Single bleibe, was würde ich dann tun?

Meine Empfehlung ist, dass ihr abschließend eine Liste, ein Mindmap oder eine Collage mit Sachen zusammenstellt, die euch trösten. Bewahrt diese an einem Ort auf, der leicht zugänglich ist. Meine Liste hängt an der Innenseite meiner Kleiderschranktür, gleich neben dem Kalender mit den Geburtstagen der Menschen, die mir im Leben wichtig sind. Wenn uns Trauer überkommt, vergessen wir manchmal, dass wir nicht alleine sind und das Leben schöne Seiten hat. Playlists wirken außerdem Wunder, zumindest bei mir. Mit ein bisschen Trickserei, könnt ihr euch gut selbst steuern. Zum Abschuss einer Depriliste, ist ein Muntermacher nie verkehrt, finde ich.

Häufig führt uns der Weg der Trauer auch in neue Bereiche der Selbstverwirklichung. Wir haben Zeit, neue Dinge auszuprobieren, uns kreativ mit Freunden auszutauschen, alten Hobbies und Interessen zuzuwenden, Bucketlists zu schreiben oder uns gezielt mit der Frage auseinander zu setzen: Was will ich wirklich?

Psychologisch gesehen, können wir uns dieser Frage meist erst widmen, wenn die Säulen mit den Grundbedürfnissen unseres Lebens abgesichert sind. Für viele Menschen gehört Liebe dazu. Heißt das im Umkehrschluss, dass wir uns erst selbst verwirklichen können, wenn wir einen Partner gefunden haben?

Das wäre problematisch! Ehrlich gesagt, habe ich mich selbst relativ lang hinter dem Grundbedürfnis nach Liebe und Geborgenheit versteckt anstatt wertzuschätzen, wieviel Liebe es in meinem Leben bereits gibt, und das Plus an Zeit kreativ zu nutzen. Denn Zeit für Selbstverwirklichung und Co. haben wir definitiv mehr in den Singlephasen unsere Lebens.

Mein Tipp: Schaut, wie ihr eurer Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit auch anders abdecken könnt. Mag seltsam klingen, bereichert jedoch ungemein und soll keinesfalls bedeuten, dass ihr euch von der Sehnsucht nach romantischer Liebe, Zweisamkeit und Familie verabschieden müsst. Liebe kann in so viel mehr Beziehungen stecken: Die Liebe zur Familie, zu Freunden, Tieren, Essen, Musik, Kunst, dem Beruf, Geschichten, kleinen Details und ganz wichtig: IN EUCH SELBST. Fangt am besten gleich damit an:

Seid einfach mal so gut zu euch selbst, wie ihr es zu der Liebe eures Lebens wärt!

Ihr habt weitere Ideen, die ich mit aufnehmen soll? Dann schreibt mir gerne eine Mail!

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