Liebeskummer in Hamburg

Das Glück hinter der nächsten Tür

Manchmal muss man eine schmerzvolle Trennung durchstehen, um sich neuem Glück widmen zu können.

Eigentlich wollte ich euch den Stand-up Comedian Frank Eilers als „professionellen Aufheiterer“ vorstellen. Doch dann kam alles anders…

Ich treffe Frank am U-Bahnhof Sternschanze. Wir schlendern zum Tornquist und plaudern vertraut, obwohl wir uns nur oberflächlich über einen gemeinsamen Freund kennen. Seine offene und ehrliche Art macht es mir leicht, auch mit meinen Themen selbstironisch umzugehen und ihm von meinem Liebeskummerblog zu berichten.

Wir setzen uns mit zwei Flat White in die Sonne und ich erkläre kurz, worum es mir in diesem Gespräch geht: Einerseits auf Franks Shows als hervorragendes Ablenkungsprogramm aufmerksam zu machen und andererseits zu erfahren, welche Erfahrungen er mit Liebeskummer gemacht hat.

„Ich höre auf! Heute habe ich meinen letzten Auftritt in Hamburg!“

Mir entgleiten sämtliche Gesichtszüge. Das möchte ich nicht! Ein wenig fühle ich mich, als würde er gerade mit mir Schluss machen!  Empört setze ich mich zur Wehr und zitiere den Auslöser meiner Interviewanfrage: „Du hast doch gerade bei Instagram gepostet, dass du so dankbar für die Entscheidung gegen die „traditionelle Arbeitswelt“ bist?!“ Hinter dem Entschluss gegen die BWL-Karriere – für ein Leben als Künstler – hatte ich eine erfolgreich bewältigte Krise vermutet. Eine Story, die uns allen Mut macht. Und jetzt DAS!

„Damit meinte ich meinen anderen Job.“

Ich bin verwirrt: „Welcher andere Job?“

„Ich gelte als Experte für Zukunftsthemen wie New Work oder Digitalisierung. Ich arbeite jetzt nur noch als Keynote Speaker und Redner.“

Jetzt glaube ich zu begreifen und grinse: Der lustige Vogel will mich veräppeln!

Dann schildert mir Frank eindrücklich, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen ist. Er hat sich wochenlang über seine Prioritäten und Werte im Leben Gedanken gemacht. Am Ende stand es 9:1 für den Keynote Speaker. Ich stehe noch immer unter Schock. „Spielte Liebeskummer bei deiner Entscheidung eine Rolle?“, bemühe ich mich, meinen Faden wiederzufinden.

„Im weitesten Sinne vielleicht schon.“ Ein Leben als Comedian ist nicht gerade beziehungsfreundlich, wenn man am Wochenende deutschlandweit Auftritte hat. „Ich habe zum Beispiel den Junggesellenabschied eines guten Freundes verpasst, weil ich eine Show hatte. Da wurde mir klar, dass ich als Comedian nicht gerade frei bin. Weder terminlich, noch inhaltlich.“

Was steckt sonst noch hinter der Trennung von einem Leben als freier Künstler?

Frank erzählt mir von den Fragen, die ihm bei der Entscheidungsfindung geholfen haben:

  • Wie will ich Leben?
  • Was ist mir wichtig?
  • In welchem Beruf habe ich mehr gestalterischen Freiraum?
  • Mit welchen Menschen möchte ich zusammenarbeiten?
  • Wo erhalte ich mehr Wertschätzung?

Ich beginne, seine Entscheidung zu verstehen. Ganz schön reflektiert der Eilers. Vielleicht weiß er auch, was bei Liebeskummer hilft?

„Natürlich Humor!“ Geschichten ins Witzige zu drehen, ist seiner Erfahrung nach die beste Selbsttherapie. „Humor ist ein unglaublich nützliches Tool, um loszulassen.“ Ich denke nach. Hätte jemals jemand Witze über meinen Liebeskummer machen dürfen? NEIN! Zumindest nicht zu Beginn und nicht bevor ich selbst damit begonnen habe.

Frank stimmt mir zu. „Humor ist ein Kann-Angebot“, zitiert er seinen ehemaligen Comedian-Kollegen Ingmar Stadelmann. „Natürlich kannst du nicht von Beginn an voller Selbstironie auf eine Trennung schauen.“

Frank hatte in seinem Leben viel Liebeskummer. „Eigentlich hatte ich schon immer Kummer, bevor da überhaupt Liebe war. Vermutlich weil ich einfach orientierungslos war und mich damals noch nicht wirklich selbst geliebt habe.“ Mittlerweile führt er seit über vier Jahren eine glückliche Beziehung.

„Würdest du sagen, dass dich der vergangene Liebeskummer weitergebracht hat?“

„Auf jeden Fall! Man lernt aus jedem Scheitern! Ich habe mich nie aus Angst vor Misserfolg von etwas abhalten lassen. Weder beruflich, noch privat.“

Was nehme ich aus dem Gespräch mit?

Menschen können lernen, wie Beziehungen funktionieren, wie man sich auf jemanden einlässt und aus einer Verliebtheit, Liebe wachsen kann. Es ist wichtig, sich selbst zu lieben und zu begreifen, dass nach dem Liebesrausch, etwas kommen kann, was anders ist als das Hormonkarussel der ersten Verliebtheit. Ob das jetzt die Person ist, von der man seit dem Moment des Kennenlernens begeistert ist, der Mensch, der einem langfristig ein gutes Gefühl gibt oder die bewusste Entscheidung für einen Partner mit gewissen Eigenschaften. Es gibt kein Pauschalrezept. Jeder Mensch und jedes Beziehungskonzept ist anders.

Es hat mich sehr berührt, wie Frank über seine Freundin, Jana, spricht und wie sie ihn auf seinem Weg begleitet. Eine schöne Erfolgsstory hinter einer Reihe unerfüllter Liebesbeziehungsversuche. Schmerzvolle Trennungen durchzustehen, um sich anschließend neuem Glück widmen zu können, lohnt sich also!

Die Trennung von der Identität als Comedian, als Künstler, tut Frank noch weh. Mir auch. Trotzdem wünsche ich ihm, dass ihm die frisch geöffneten Türen neues Glück und jede Menge Spaß bringen.

Ein klitzekleiner Trost: Frank moderiert weiterhin den Club 20457, der monatlich in der Hafencity stattfindet. Da nächste Mal am 05.09.2018.

 

 

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