Liebeskummer in Hamburg

Phantasie-Fight mit Impulskontrolle – wie du immer gewinnst!

Bringen euch Ungerechtigkeiten auch so auf die Palme wie mich? Vordrängeln an der Kasse, Parkplatz vor der Nase wegschnappen, unberechtigtes Anraunzen, weil man angeblich im Weg steht? In den Momenten selbst fehlen uns meist die richtigen Worte! Trotzdem sollten wir unseren Frust nicht zurückhalten.

Tipp Nummer 2: Lüftet das Ventil, – ohne euch dabei strafbar zu machen!

Wenn ihr nicht immer Lust auf Konfrontation habt, aber genauso wenig, jede Emotion zurückhalten wollt, könnt ihr Ausraster zeitlich aufschieben. Impulskontrolle lautet das Zauberwort. Ein Beispiel aus meinem Alltag:

Ich jogge mit meinen Lieblingshunden Greta und Nelly um die Alster als an der Ampel nahe Poelchaukamp ein kleiner Westie, ein West Highland White Terrier (der aus der Hundefutter Werbung), kläffend auf uns zugerannt kommt. Kein Besitzer in Sicht. Greta leckt sich die Schnauze. Leider neigt sie dazu, kleine Kläffer anzuknabbern. Wie oft durfte ich mir schon anhören, dass mein Hund nicht mehr ganz richtig tickt, weil durch das Quieken von Miniwuffis ihr Jagdinstinkt getriggert wird! Dabei hat sie das definitiv nicht von mir.

Wenn die Mädels sich jetzt absprechen, habe ich im schlimmsten Fall kumulierte 60kg Hund zu bändigen, damit der Westie überlebt. Die Hunde spüren meine Nervosität. Ihre Kampfbereitschaft steigt. Ich jogge schneller. Der kleine Rüde läuft uns nach.

„Bennnniiiiiii!“ Ein dicklicher Mann Mitte 50, nennen wir ihn Big Ben, watschelt hektisch, mit Westie Nummer 2 im Schlepptau, um die Kurve. „Kommst du hier her!“ Benni gehorcht nicht. Er scheint verliebt. Meinen Hundemädels läuft das Wasser im Mund zusammen. Das Brüllen wird lauter. Ich laufe weiter. Klein Benni folgt uns über die Straße, ohne nach links oder rechts zu schauen. Ich werde sauer. Wie kann ich diesem todesmütigen Kerlchen verständlich machen, dass er nervt und sich gerade freiwillig in Lebensgefahr begibt? Stehenbleiben und ihn von den Mädels verprügeln lassen? Damit riskiere ich Gretas Job als Therapiehund. Außerdem kann little Benni ja auch nichts für seinen Trieb. Ich fokussiere meine Wut also auf Big Ben, dem „Dickbauch ohne Hundeführerschein“.

„BEEENNNNIIIIIIII!! Jetzt bleiben Sie doch endlich mal stehen!“ Mein Wutpegel steigt. Ist es mein Problem, dass du deinen Hund nicht im Griff hast? In Gedanken werde ich laut! Wenn wir stehen bleiben, beißen wir euch die Köpfe ab, du Fettsack! (Ja, vielleicht hatte ich einen schlechten Tag,- deshalb geht man doch laufen,- oder nicht?!)

Wir kommen an die vierspurige Barmbeker Straße. Das wird jetzt echt eine Herausforderung mit drei Hunden, von denen ich nur 2 halbwegs unter Kontrolle hab! Mein Phantasie-Fight beginnt:

Ich binde die Hunde an der Ampel an und gehe zügig auf den Besitzer zu.

„Endlich bleiben Sie stehen, Sie können doch nicht einfach mit meinem Hund weglaufen!“ schnauft Big Ben völlig außer Atem. Ich zetere los: „Sag mal, tickst du noch ganz sauber? Nur weil du deinen Hund nicht unter Kontrolle hast, soll ich meine Termine nach dir richten, oder was? Du kannst froh sein, dass ich meine Hunde nicht auch freigelassen habe.“

„Was ist denn mit dir los? Schlecht geschlafen oder was? Wie kannst du so herzlos sein und das Leben meines Hunde gefährden?“

Gleich lang ich dem eine. „Auf jeden Fall hab ich kein Herz für dumme Besitzer, die ihre Fresse nicht halten können!“

„Na,na,na“, Big Ben bäumt isch auf. Mit geschwellter Brust und gehobenem Kinn kommt er mir entgegen. Darauf habe ich insgeheim gehofft.

Ich hole aus zum HIGH-KICK. Endlich zahlt sich das Fit-Fight-Training und jahrelanges Sparring mit den großen Brüdern aus! Big Ben geht zu Boden. Little Benni eilt seinem Besitzer kläffend zur Hilfe. Endlich. „So, und jetzt nimm deinen Hund gefälligst an die Leine. Sonst zeig ich dich an!“

Statt die Straße zu überqueren laufe ich einen kleinen Umweg, um Benni abzuhängen. Mein Phantasie-Fight wirkt sich auf mein Tempo aus. Schließlich sprinte ich über die Barmbeker Straße, die Bachstraße hinunter bis zu meiner Haustür. Geschafft! Als ich meine Wohnung betrete, beschimpfe ich Big Ben noch einmal aufs Übelste. Was dem eigentlich einfällt, mich so dumm anzumachen? Nicht ICH habe seinen Hund in Gefahr gebracht, das war ER! Einen Hund frei durch Hamburg laufen zu lassen, ist verantwortungslos, wenn man ihn nicht unter Kontrolle hat! Nein, NICHT ICH bin herzlos, sondern er einfach nur dumm! AUSSERDEM (und ich schäme mich beim Schreiben): HABEN WIR IN HAMBURG EINE LEINENPFLICHT!

SELBER SPIESSER!!

DU MICH AUCH!

Der Typ soll es nochmal wagen, mir so blöd zu kommen!

PS: Benni, ich hoffe, es geht dir gut…

 

 

 

2 Kommentare

  1. Hallo liebe Hannah,
    ich kann dich so verstehen!
    Danke, dass Du stehen geblieben bist und sich der dicke BigBen einfach völlig außer Atem entschuldigt hat für seinen enthemmten LittleBen*
    Abgesehen davon, dass ich wirklich laut geworden wäre an Deiner Stelle (*), kenne ich solche Situationen und habe eben beim lesen total gelacht!
    DANKE*

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.