Liebeskummer in Hamburg

Das Lügen Puzzle… 2. Teil von dem Wunsch der eigenen Intuition zu trauen

Das Lügen-Puzzle Teil 1

Es wurde ernst. Ich lernte Kurts Kind kennen. Um den Grundbaustein für eine mögliche modernen Patchwork-Family zu legen, wollte ich nun auch seine „noch-Ehefrau“, Annette, kennenlernen! Alles, was er mir erzählte, machte irgendwie keinen Sinn mehr für mich. Einerseits hatte sie einen Freund, sei depressiv und arbeitslos, machte eine Yoga-Ausbildung, fuhr regelmäßig in den Urlaub, war aber wiederum sehr depressiv…. Häh?? Ich wollte mir ein eigenes Bild machen und für mich geklärt wissen, ob sie wirklich bereit war, Kurt gehen zu lassen. Manchmal hatte ich den Eindruck, sie würde für sich die Vorzüge einer polyamourösen Beziehung nutzen.

Eine Ausrede jagte die Nächste. Sein Hauptargument dabei war stets, dass ich so eine kraftvolle Frau sei. Annette sei im Gegensatz zu mir sehr labil und er hätte einfach Sorge, dass sie ein Treffen mit so jemanden wie mir nicht verkraften könne?! Es regten sich weitere Zweifel in mir, aber er tat genug, um mich bei Laune zu halten.

Das Lügen Puzzle – Teil 2

Meine Freundinnen, die von meinem Verhältnis wussten, wurden misstrauisch.

„Anna, Kurt verarscht dich“ – wer will das schon hören?

Es fing an mich zu nerven, er fing an mich zu nerven, meine Freundinnen fingen an mich zu nerven, meine Mutter fing an mich zu nerven.

Ich selber bekam das Gefühl, es stimme etwas nicht – aber ich wollte das nicht sehen. Die Geschichte war viel zu herzerwärmend und tatsächlich passte er doch auch so gut zu mir.

Außerdem war Kurt war ein aalglatter Typ, aus dem Hause einer guten Familie, der sich stets gewählt ausdrückte und um keine Antwort verlegen war. Seine Argumente waren stark.

Trotzdem leistete er sich Fehltritte: Er reagierte im Affekt, erzählte viel und machte dabei kleine Fehler. Er erzählte er nebenläufig von anderen Frauen. Natürlich nie in dem Sinne, dass er was mit ihnen hatte. Doch da gab es eine jungen Dolmetscherin aus Russland, die sich nach deutschen Synonymen für „verliebt sein“ erkundigte. Häh? Eine andere, etwas ältere Dolmetscherin traf er regelmäßig und brachte ihrer Tochter Süßigkeiten aus Deutschland mit.

Auf meine Nachfragen hin, bestätige er mir, dass sie verheiratet sei, allerdings auch regelmäßig Affären hatte. Aber ich müsste mir keine Sorgen machen, denn er stünde eh nicht auf den „Look“. Als Beweis schickte er mir sogar ein Bild von ihr und tatsächlich, sie war nicht die Frau, auf die ich auf Anhieb eifersüchtig gewesen wäre.

Es häuften sich merkwürdige Zusammenhänge, für die er immer gute Gründe (er-)fand. Insbesondere seine Bestrebungen, mit mir zusammenzuziehen, passten nicht mehr in den Zusammenhang, den ich sonst erlebte.

Wer war Kurt???

Immer wieder versicherte er mir, dass wir uns eine gemeinsame Wohnung suchen müssen denn mit seinen beruflichen Reisen, wäre das nun die einzige Möglichkeit, dass wir mehr Zeit miteinander verbrachten.

Also suchte nun ICH nach Wohnungen. Meine Situation war zu dem Zeitpunkt relativ klar. Mein Hauptwohnsitz war in Hamburg, unter der Woche war ich allerdings beim Kunden in Frankfurt und hatte entsprechend auch dort eine Wohnung. Ich schlug ihm vor, dass ich meine Wohnung in Frankfurt aufgeben könne und wir uns gemeinsam in Mainz (dort wohnte er mit seiner Familie) etwas suchen können – als Testphase für den Zeitraum meines Assignments beim Kunden. Der erste Schritt in ein neues, gemeinsames Leben.

Gesagt getan – ich schickte ihm mögliche Wohnungsangebote.

Der emotionale Missbrauch begann:

Plötzlich änderte sich alles. Das Bauchgefühl und die Vermutung, dass seine Frau keinen blassen Schimmer von unserer Beziehung hatte, wurden stärker. Jedes Mal, wenn ich ihn darauf ansprach, wurde er aggressiv und unterstellte mir, ich sei verrückt, investigativ und hätte einfach nur ein Problem anderen Menschen zu vertrauen. Er unterstellte mir eine böswillige Absicht seiner „depressiven“ Frau gegenüber, die unser Treffen mit mir als starker Frau nicht verkraften würde. Er aber wolle eine glückliche Mutter für sein Kind. Er tue alles für eine gemeinsame Zukunft und ich würde mit meinem Misstrauen alles zerstören. Die Situation spitze sich zu. Immer wieder zog ich mich zurück – ich spürte, dass hier toxische Energien am Werke waren und mich diese Lügerei immer weiter zermürbte.

Seine kontinuierliche Aggressivität erreichte ihren Höhepunkt:

Er wolle und könne sich mit meinen Herausforderungen nicht beschäftigen, weil seine ungewisse Situation sämtliche Aufmerksamkeit erfordere! Ich wäre an allem schuld. Insbesondere daran, dass wir beide gerade keine glückliche Beziehung hatten. Ich verstünde ihn nicht und mache alles kaputt. Er beschimpfte mich, „aber nur, weil ich ihn dazu verleiten würde“. Eigentlich sei er ein liebevoller Ehemann!

Ohne es auszusprechen, sagte er mir folgendes „Anna, Du bist es nicht wert geliebt zu werden“.

Solange wir über ihn sprachen, war die Welt in Ordnung. Ich erkannte seine unendliche Egozentrik. Je mehr ich erkannte und sah, umso schwächer wurde ich. Ich fühlte mich ungeliebt und fing an zu glauben, dass ich wirklich an allem schuld sei. Seine bipolaren Signale, Zuckerbrot und Peitsche, verschlangen mich und rissen mich immer tiefer in die Negativspirale. Ich wurde immer leiser, während in mir ein Sturm tobte.

So ging es weiter