Liebeskummer in Hamburg

Detoxing für die Seele

Wie macht man eigentlich detoxing für die Seele?

„FREITRÄNEN FÜR ALLE!“

Egal, wessen Entscheidung oder welche Umstände es waren, die zum Beziehungsende geführt haben: Liebeskummer tut weh. Trauer zu verarbeiten ist eine große Herausforderung. Die einen bleiben wochenlang im Bett und weinen. Bei anderen kullern die Tränen auf der Couch der besten Freundin, des besten Freundes, beim Therapeuten, beim Joggen, im Kino oder in der U-Bahn. Andere wehren Trauer komplett ab, gehen sich prügeln, vernichten tonnenweise Süßigkeiten oder stumpfen emotional völlig ab.

Vielen Menschen ist der Kontrollverlust über das Salzwasser in ihren Augen unangenehm. Das muss es nicht! Trauer gehört zu den Grundemotionen des Lebens und ist das Natürlichste der Welt. Wir sollten uns für unsere Tränen nicht schämen (müssen), tun es aber häufig doch, dabei sind die Kanäle der Tränen als Ventil für unsere belastenden Erfahrungen sehr wichtig. Schließen wir die Trauer in uns ein, belastet sie uns tagtäglich unterbewusst weiter.

Weinen ist das gesündeste und günstigste Detoxing der Welt!

Die Vorstellung von einer Stadt voller weinender Menschen erscheint mir trotzdem gruselig. Wie finden wir einen geeigneten Mittelweg?

Der erste Schritt ist es, Trauer als eine von vielen Emotionen, genauso wie Freude, Wut, Angst oder Ekel anzunehmen. Innerhalb der deutschen bzw. westlichen Kultur neigen wir dazu, Tränen zu verstecken. Lachen, schimpfen oder angewidert sein fällt hingegen leichter. Angst folgen wir instinktiv. Immerhin hat sie uns, evolutionär gesehen, auch jahrelang vor dem Tod bewahrt, wenn wir sie als Alarmsignal ernst genommen haben.

Trauer benötigt Raum, damit sie verarbeitet werden kann. Das ist keine leichte Aufgabe. Wer von uns möchte schon gern Freitag abend zuhause bleiben, um zu weinen? Nein, wir wollen Action, Spaß, neue Locations und krasse Stories.

Einigen Menschen hilft es, ihrem Kummer ganz bewusst Raum zu geben, um Tränen ein wenig kontrollieren zu können. Frontmann Marcus Wiebusch der Hamburger Band Kettcar formuliert es schlicht: „Aber irgendwie schon besser, im Taxi zu weinen, als im HVV Bus, oder nicht?“

Kettcar – Im Taxi weinen

Als Anregung habe ich euch einige Möglichkeiten zusammengestellt, die aus meiner persönlichen und professionellen Erfahrung als Psychologin funktionieren:

  • 30 Minuten Herzschmerz, um alles rauszulassen und dann weiterzumachen. Auf Spotify findet ihr eine Playlist mit den traurigsten deutschen Liebesliedern. Dank Vicky Leandros werdet ihr zum Ende hoffentlich schmunzeln, auf das Karussel des Lebens wieder aufspringen und neuen Mut fassen. Vergesst nie, dass es eine Phase ist, die vorübergeht.
  • Sport! Rennt den Tränen davon oder nehmt sie gleich mit. Joggen mit Sonnenbrille kommt doch extrem lässig.
  • Briefe an die vermisste Person (zum Beispiel im Tagebuch). Professionell nennt es sich: Biografisches Schreiben in Krisenzeiten. Schreibt alles auf, was ihr dem/der Verlorenen noch sagen wollt.
    • Was hat euch am meisten verletzt?
    • Was vermisst ihr?
    • Worüber seid ihr wütend?
    • Was hättet ihr euch von ihm gewünscht?

Wenn er oder sie so richtig scheiße war, haut es raus!!

Geteiltes Leid ist halbes Leid! Gern könnt ihr mir schreiben, welche Erfahrungen ihr mit Liebeskummer gemacht habt. Wenn ihr Lust habt, eure Geschichte auf liebeskummerinhamburg.de zu veröffentlichen, meldet euch.

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