Liebeskummer in Hamburg

Wenn deine Intuition an die Tür klopft, bitte sie auf einen Tee herein

Wenn deine Intuition an die Tür klopft, bitte sie auf einen Tee herein!

Meine Freundin Anna ist 41 und hatte Lust, ihre Geschichte mit euch zu teilen.

Wiedersehen mit Freude

Ich kannte Kurt aus meinem Abi-Jahrgang. Damals hatte ich jedoch nichts mit ihm zu tun. Ich gehörte zu den „cool kids“ und er war einfach ein „Nerd“. Ein unscheinbarer Junge, der nicht besonders gut aussah.

Fast 20 Jahre später, kurz vor Silvester, sollten sich aber unsere Wege kreuzen und die dramatische Liebes-Geschichte meines Lebens beginnen. Wir stolperten zufällig in der Hamburger Innenstadt ineinander und waren uns irgendwie noch vertraut. Bei einem gemeinsamen Cappuccino erzählte er mir, dass er verheiratet sei, ein 2-jähriges Kind habe, aber seine Ehe nicht laufe.

Ich war etwas von seiner prompten Offenheit verwirrt. Zugleich gefiel sie mir. Kurt erzählte von seinem erfolgreichen eigenen Business. Das passte super, da ich mich vor 6 Monaten selbstständig gemacht hatte. Mich interessierten seine Ratschläge in Bezug auf meine Selbstständigkeit und so verbrachten wir den Abend bei Speis und Trank.

Ein Treffen und das war‘s!

Als er mich fragte, ob wir Silvester gemeinsam verbringen wollten, lautete meine Antwortganz klar: Nope! Ich hatte etwas Besseres vor.

Er ließ nicht locker, fragte ob wir uns im Januar wiedersehen würden. Der Abend mit mir sei schön gewesen und er sei so interessiert, wie ich mich privat und beruflich weiterentwickele. Ich fühlte mich geschmeichelt.

Dennoch hatte ich wenig Interesse – also schlug ich ihm einen Tag Mitte Januar vor, an dem ich eh nicht in Hamburg war, um dann kurzfristig abzusagen. Ich hatte einfach keine Lust, ihn wiederzusehen. Vermutlich hatte hier schon meine Intuition mit mir gesprochen.

Er blieb hartnäckig. So hartnäckig, dass er mir sogar einen Short-Travel-Trip vorschlug – er würde gerne mal mit mir wegfahren. Als „alte Freunde“ – denn schließlich sei unser Wiedersehen sehr witzig und auch interessant gewesen. Wir hätten uns doch so gut verstanden. Ich sagte ihm relativ klar und unverblümt, dass ich für ihn als verheirateten Mann nicht zur Verfügung stünde und selbst, wenn wir als „good-old-friends“ wegfahren würden, es doch sehr irritierend auf seine Frau wirken müsste?!

Die Wende

Er war begeistert von meiner Einstellung und respektiere sie zu 100%. Er müsse mir jedoch unbedingt etwas erzählen: Seine Frau habe schon seit über 6 Monaten einen neuen Partner, er wisse es noch nicht mal von ihr aber hätte sehr eindeutige Nachrichten gelesen. Und so ist auch er auf der Suche nach einer neuen und ernsten Partnerschaft.

Ich wurde nachdenklich. Vom Profil her passte Kurt tatsächlich gut zu mir. Er hatte ein eigenes Business, reiste viel, war unterschiedlich interessiert, weltoffen… Ich fand ihn zwar äußerlich nicht sonderlich attraktiv, aber solche Oberflächlichkeit hatte ich ohnehin schon lange abgelegt und so dachte ich mir: „Wenn seine Frau schon einen neuen Partner hat, und er sich nun daraufhin auch auf die Suche macht, ist es okay für mich.“

Seine viele Reisetätigkeit beeindruckte mich, nicht zuletzt, weil ich nicht so Nähe bedürftig bin und er mir bei einer möglichen Beziehung auch nicht wirklich auf den Keks gehen könne. Ich habe 13 Jahre lang in einer Unternehmensberatung gearbeitet, bin selber viel gereist und hatte seit Ewigkeiten immer nur Wochenend-Beziehungen. Meine vorherigen Partner haben mir immer vorgeworfen, dass ich zu wenig Zeit hätte… und so dachte ich bei Kurt „das hört sich ja fast nach Jackpot an. Juhuu!!“.

Da mein Wertesystem sehr clean ist und ich Fremdgehen widerwärtig finde, schlug ich ihm folgenden Deal vor: Wir können uns gerne kennenlernen, wenn er seiner Frau von mir erzählt. Gesagt, getan (zumindest erzählte er mir das). Seine erste Lüge!

Wie der Zufall es nun wollte, hatte ich zu dem Zeitpunkt ein Kunden-Assignment in Hessen, wo er mit seiner Familie wohnte.

Wir trafen uns regelmäßig und verbrachten eine schöne Zeit miteinander. Seine Jammer-Parodie: „Meine Frau ist arbeitslos, geht mir fremd, bewegt sich nicht, macht sich ein schönes Leben und ich bezahle“ störte mich anfangs nicht – viel mehr überzeugte es mich, dass er „der Richtige“ war. Welch schöner Gedanke, jemanden gefunden zu haben, der ungewollt in den Umstand des Betrugs geraten war, aber dennoch seine Frau finanziell stützte obgleich sie schon längst einen neuen Partner hatte. Mir imponierte sein Verhalten sehr.

Unser Verhältnis wuchs. So sehr, dass er mal „Heiraten“ und „Kinder“ ansprach. Anfangs war ich etwas peinlich berührt, denn unsere Beziehung gab es zu dem Zeitpunkt aus meiner Sicht gar nicht her, über Heiraten und Kinder zu sprechen. Ich war jedoch auch sehr geschmeichelt und tatsächlich dachte ich mir, dass er einfach ein sehr ehrenwerter Mann sei, der nach einer 17-jährigen Beziehung bitter betrogen wurde und es schlichtweg Teil seines Wertesystems war, Klarsicht über seine „next Steps“ zu wahren.

Meine Träumerei begann

Ich war busy. Neben meinem Kunden-Assignment hatte ich hier und da noch einige Business-Ideen, die ich tatkräftig umsetze. Mit ihm fühlte sich alles wunderbar an – ich hatte meine Freiheiten und trotzdem einen „Partner“ an meiner Seite.

Wir buchten Urlaub! Nach meinem Kenntnisstand wusste seine Frau davon. Lüge Nummer 2!

Noch vor unserem Urlaub versprach er mir, dass er sich eine Lösung für ein mögliches gemeinsames Zusammenleben überlegen würde. Am liebsten wäre ihm, dass ich in seine bestehende Wohnung einziehe (was ich ablehnte). In jedem Fall wollte er beieinander sein. Die dritte Lüge.

Wie sich das Lügen-Puzzle fortsetzt, erfahrt ihr hier.